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Julia Williams: Tatsächlich Weihnachten (2015)

Zuckrig wie Weihnachtsgebäck

An den Weihnachtstagen finden wir hoffentlich genug Zeit, um Kerzen anzuzünden, Plätzchen zu essen und gemütlich zu lesen. „Last Christmas“ von Julia Williams ist sozusagen der Spekulatius in Buchform – süß und etwas würzig zugleich. Man liest diesen Roman so weg und möchte am liebsten immer noch ein wenig mehr davon. Die Geschichte um vier ganz unterschiedliche Menschen, die zunächst noch gar nichts miteinander zu tun haben, im beschaulichen Dörfchen Hope Christmas in Südengland umfasst den Verlauf eines Jahres von Weihnachten bis zum nächsten Weihnachtsfest. Verlorene Liebe, familiäres Chaos, Probleme Alleinerziehender, Depression, Demenz, plötzliche Arbeitslosigkeit, Bauspekulanten – es ist alles dabei. Aber auch neu aufkeimende Liebe, Selbsterkenntnis, neue Wege, neuer Mut kommen nicht zu kurz. Einen nicht unwesentlichen Anteil an allen positiven Entwicklungen hat der bereits aus Charles Dickens’ „Weihnachtsgeschichte“ bekannte gute Geist der Weihnacht, hier verkörpert durch eine Nebenfigur mit verräterischem Namen.

Dieser Roman, leicht zu lesen und gespickt mit Figuren, die uns allesamt ein wenig bekannt vorkommen, ist etwas fürs Herz, sicherlich süß wie Weihnachtsplätzchen, aber durch seine realitätsnahen Themen doch auch wieder gut verträglich. Man mag ihn sicher nicht im Übermaß genießen, aber zum Entspannen ist er eine gute, weihnachtliche Wahl – gerade wenn man den anrührenden und witzigen Film „Tatsächlich Liebe“ mag und ihn vielleicht jedes Jahr zur Weihnachtszeit wieder anschaut, denn gewisse Ähnlichkeiten sind „tatsächlich unverkennbar“.

Maja Lunde: Die Schneeschwester - eine Weihnachtsgeschichte

Bittersüß und wunderschön

Maja Lunde, die norwegische Autorin der bemerkenswerten Romane „Die Geschichte der Bienen“ (2017) und „Die Geschichte des Wassers“ (2018), hat eine sehr emotionale, einfühlsame Geschichte zur Weihnachtszeit geschrieben, umfangreich und brillant illustriert von Lisa Aisato.

In 24 Kapiteln erzählt sie aus der Perspektive des fast 10jährigen Julian, der Heiligabend Geburtstag hat. In diesem Jahr erscheint Julian aber sowohl das so geliebte Weihnachtsfest als auch sein Geburtstag unvorstellbar, denn er hat eine Schwester verloren, und der stumme Kummer hat ihn und seine ganze Familie fest im Griff. Jedoch ein Weihnachtswunder geschieht gleich zu Beginn der Geschichte: Julian trifft das grünäugige Mädchen Hedvig, das ihn fortreißt auf einer Woge aus Worten voller Enthusiasmus und ihn mitnimmt in eine Welt, die so warm erscheint wie die, die Julian verloren hat. Nach und nach verändert sich etwas für Julian, er beginnt seine Trauer aktiv zu verarbeiten und versucht, für seine Familie Weihnachten wieder erlebbar zu machen. Gleichzeitig wird deutlich, wie sehr er seine Eltern braucht, die in ihrem eigenen Kummer gefangen sind und die Bedürfnisse von Julian und seiner kleinen Schwester gar nicht mehr spüren können. Die genialen Illustrationen von Lisa Aisato unterstreichen dies eindrücklich.

Von Hedvig muss Julian sich am Ende ebenso verabschieden wie von seiner großen Schwester. Aber sie hat ihn auf geheimnisvolle Weise eine Weile begleitet und wieder Licht in sein Herz gebracht. Julian gelingt es, dieses Weihnachtslicht in seine Familie zu tragen, und das ist die frohe Botschaft dieses wunderschönen, nachdenklichen und traurigen Buchs, das wirklich eher für Erwachsene als für Kinder (ab 10) geeignet ist. In ruhigen Stunden unterm Weihnachtsbaum kann man sich mit ganzem Herzen auf dieses außergewöhnliche Gesamtkunstwerk einlassen.

Christina Dalcher: VOX (2018)

Zeit der Freude und des Jubels?

Weihnachten – Zeit, die Stimme zu erheben und zu frohlocken. Oder auch die Stimme für die Armen und Schwachen zu erheben. Oder auch die Stimme zu erheben, um für den Frieden in der Welt einzutreten.

All dies wäre den Frauen in Christina Dalchers dystopischem Roman überhaupt nicht möglich, denn ihnen ist es – in einem streng religiösen Amerika der nicht fernen Zukunft – strengstens verboten, mehr als 100 Wörter am Tag zu sprechen. Sie sind in jeder Weise ihrer Stimme beraubt. Sie dürfen nicht lesen, nicht schreiben. Sie dürfen außerhalb des Hauses nicht mehr arbeiten. Sie dürfen am öffentlichen Leben nicht mehr teilnehmen. Sie sind reduziert auf eine Rolle als stumme Dienerinnen der Männer, und all das wurde quasi über Nacht so geregelt.

Dr. Jean McClellan, die Protagonistin des Romans, war bis vor kurzem eine hochangesehene Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Neurolinguistik und stand kurz vor einem wissenschaftlichen Durchbruch. Am Anfang der Geschichte erleben wir sie in der schockierend beschränkten Welt ihres Heims, ebenso wie ihre kleine Tochter stetig in Schach gehalten durch ein Armband, das gesprochene Wörter zählt und bei Übertretungen schwere Stromschläge austeilt.

Christina Dalcher, selbst Neurolinguistin, weiß mit Sprache umzugehen. Wir werden geschickt hineingezogen in die perverse Welt des Romans, die unangenehm plausibel dargestellt ist. Nach den sehr nachdenklich stimmenden Anfangskapiteln nimmt die Geschichte Fahrt auf in Richtung Thriller. Jean soll auf Wunsch des Präsidenten in einer Ausnahmesituation wieder wissenschaftlich arbeiten, in diesem Kontext auch sprechen dürfen – wird sie sich diese unerwartete Wendung zunutze machen können, um die ausweglos erscheinende Lage zu verändern? Jean ist eine starke Heldin, die im Verlauf der Handlung noch an Stärke gewinnt, weil sie sich zunehmend ihrer Selbstwirksamkeit und Verantwortung für den Zustand der Welt bewusstwird.

Dalcher gelingt es, ihre Botschaft in eine spannende Handlung zu verpacken, die vielleicht manchmal etwas plakativ übertrieben erscheint, aber auf jeden Fall zum zügigen Weiterlesen motiviert. Sogar eine Liebesgeschichte bringt die Autorin noch mit unter – ob dies die Botschaft des Romans unterstreicht, darüber mag man geteilter Meinung sein. Dalcher selbst möchte ihre Geschichte einerseits als spekulative politische Dystopie gelesen wissen, und andererseits auch als Gedankenspiel über das Geschenk der Sprache. Und in der Tat bietet dieses lesenswerte Buch zu beiden Aspekten nachhaltige Denkanstöße. „VOX“ ruft auch deutlich Margaret Atwoods unvergleichliches dystopisches Werk „Der Report der Magd“ (1986) ins Gedächtnis. Dies sollte man unbedingt erneut auf seine Leseliste setzen, zumal es im Herbst 2019 nach so vielen Jahren tatsächlich eine Fortsetzung erhalten wird („The Testaments“).

Unsere weichnachtlichen Lesetipps stammen von Maike Bolduan.

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